Hamsterhaltung

Der Hamster

Hamster, Puschelhilfe, Nagerschutz, Josie

Alle Hamster sind dämmerungs - oder nachtaktiv, stehen also erst spät auf und sollten vorher nicht geweckt werden, außer es lässt sich nicht vermeiden (Tierarztbesuch oder Medikamentengabe). 

In der Haustierhaltung kann man Goldhamster und Zwerghamster halten.

Bei den Zwergen gibt es Dsungaren, Campbells, deren Mischung (Hybriden), chinesische Streifenhamster und Roborowskis.

Größere Hamster in der Heimtierhaltung sind immer syrische Goldhamster in verschiedenen Fell-, Farb- und Mustervarianten, denen man im Volkmund weitere Namen gegeben hat (z.B. Pandahamster, Teddyhamster, Russenhamster, Fleckenhamster...)

 

Anders als andere Nager leben alle Goldhamster in der Natur als Einzelgänger, also wollen sie auch in der Heimtierhaltung alleine sein - denn sonst gibt es blutige Beißereien, die mit Verletzungen oder dem Tod enden.

 

Bei Zwerghamstern muss man differenzieren. Chinesische Streifenhamster sind ebenfalls ganz klar Einzelgänger. Dsungaren sind zeitweise mit einem gegengeschlechtlichen Partner zusammen, dies kann man allerdings in der Heimtierhaltung nicht nachahmen, gleichgeschlechtliche Paare verstreiten sich eigentlich fast immer.

Campbells und Robos leben in Familienverbänden und können auch in der Haltung durchaus harmonieren, hier ist Paar- oder Gruppenhaltung also möglich, dazu muss man seine Tiere aber gut kennen und Streit erkennen, bevor dieser richtig anfängt. Und natürlich muss immer ein zweites Gehege bereit stehen, falls sie sich doch verkrachen... Diese Haltungsform würde ich nur Haltern empfehlen, die Erfahrung mit der artgerechten Hamsterhaltung haben.

 

Das Gehege

Die meisten im Zoofachhandel angebotenen Käfige sind zu klein.

Hamsterexperten sind sich uneinig, was die kleinste Größe für einen Hamsterkäfig ist, es gilt: Je größer, desto besser!

Ich sehe 0,4 m² (also zB. 100 cm * 40 cm) als Mindestmaß für Hamster an - einige Individuen (gerade Goldhamster) sind mit dem Platz aber nicht zufrieden und brauchen ein noch größeres Gehege. Man sollte unbedingt auf die Höhe der Ebenen achten: ein Hamster darf nicht tiefer als 15 cm fallen können. Hamster sind Läufer und Buddler und wollen dementsprechend in der Haustierhaltung tief im Einstreu buddeln (mindestens 15 cm) und länger geradeaus laufen können. Da sie keine großen Kletterer sind, können sie keine Höhen abschätzen. Eine Ausnahme stellen die chinesichen Streifenhamster dar, diese brauchen Klettermöglichkeiten und können dank ihres längeren Schwanzes gut balancieren und herumklettern ohne herunterzufallen.

Ein günstiger, geeigneter Käfig wäre zum Beispiel dieser für 37 € XXL Käfig 100*55

Oder dieser für 60 € XXL Käfig 120*60

Hamster können auch im Aquarium gehalten werden - diese kann man oft günstig in Baumärkten oder Kleinanzeigen erwerben und man kann hoch einstreuen.

Wichtig hierbei ist, dass es nicht höher als tief ist, damit die Luftzirkulation gut funktioniert. Dann müsste nur noch eine Abdeckung aus Holz und Gitter gebaut oder gekauft werden und schon kann man mit dem Einrichten beginnen. 

Es gibt auch spezielle Nagerterrarien, diese haben ein dünneres Glas und die Luftzufuhr wird gut geregelt. Bei Reptilienterrarien ist diese unzureichend!

Links, wo man Nagerterrarien kaufen kann:

www.mp-terra.de

www.terrarienladen.de

Teure, aber tolle Maßanfertigungen von Holzkäfigen:

www.nagerhuetten.de

Holzkäfige, die nicht lackiert sind, sollte man am besten selber lackieren. Dazu einfach geeigneten Lack (oft "Sabberlack" oder "Spielzeuglack" genannt; wichtig ist, dass "für Kinder geeignet" bzw DIN EN 71-3 darauf steht) in mehreren Schichten darüber streichen. Wenn ein Holzgehege nicht lackiert ist und der Hamster wird krank (Milben, Pilz etc), dann muss man das komplette Gehege wegschmeißen. Ist es aber lackiert, so kann man es einfach desinfizieren.

Tipp: Bei dem Holzkäfig, den man bei Ebay und Amazon bekommt, einfach die obere Etage raus nehmen und die untere nach oben stellen. Dann kann man richtig schön hoch einstreuen und dem Hamster eine naturnahe Buddellandschaft ermöglichen.

 

Es ist natürlich auch möglich, sich selber ein Hamstergehege aus beschichteten Spanplatten zu bauen, auch der Umbau eines Schrankes etc. ist eine Möglichkeit.

Selbst bei Ikea "warten" Hamstergehege: Eine DETOLF Virtine ist, auf der Seite liegend, ein riesiges Gehege von 160 cm Länge und das für nur ca. 40 Euro.

Die Einrichtung

Hamster, Puschelhilfe, Nagerschutz, Curuba, Laufrad

Einstreu Am Anfang benötig man sehr viel, später werden nur Teile zur Reinigung ausgetauscht.Ich empfehle Einstreu in Pferdeshops zu kaufen, dort kann man große Säcke (meist 20-25 kg) günstig erwerben. Es gibt auch andere Arten von Einstreu, die - in kleine Kisten gefüllt - zum Erlebnis im Gehege und Auslauf werden, zum Beispiel aus Hand, Baumwolle oder Mais.
Laufrad Ein geeignetes Laufrad muss verschiedene Kriterien erfüllen: Es muss groß genug sein, so dass der Hamster beim Laufen nicht den Rücken beugt, sonst bekommt er Haltungsschäden. Das Laufrad darf keinen Schereneffekt aufweisen und sollte eine geschlossene Laufläche sowie eine Rückwand haben. Für die kleinen Roborowski Zwerghamster reicht ein 20 cm Rad, die meisten anderen Zwerge brauchen größere Räder (bei mir bekommen Zwerghamster ab 40 Gramm ein 27er Rad), Goldhamster sollten immer ein mindestens 27 cm großes Laufrad haben, zB ein 27 cm Wodent Wheel oder natürlich ein Holzrad in geeigneter Größe. Einige Goldis sind sogar so groß, dass sie ein noch größeres Rad brauchen, damit sich ihr Rücken beim Laufen nicht krümmt, zB das Bogie Wheel mit 29 cm von der Marke Karlie Wonderland oder das Wobust Wheel mit 30 cm von Rodipet.

Entscheidend, ob man das eine oder andere Laufrad nimmt, sind die Kriterien, ob der Hamster ins Laufrad pinkelt (dann kein Holz) oder ob er Futter im Laufrad bunkert (dann besser ein Laufrad mit komplett geöffneter Front, damit das Futter keine lauten Geräusche macht).

Es gibt auch eine günstigere Variante zum Robo Wheel/Wodent Wheel, nämlich das Trixi Laufrad. Das gibt es in den Größen 20 cm und 28 cm und es ist in Onlineshops und einigen Zooläden erhältlich.

Badesand Chinchillasand sollte immer für die Fellpflege bereit stehen und wird von den meisten Hamstern geliebt. Vogelsand, Spielsand oder anderes eignen sich nicht, da die Kanten zu scharf sind!
Sandbad Als Sandbad empfiehlt sich eine Keramik- oder Glasschale, zb. eine Auflaufform oder eine große Futterschale, die mindestens 15 cm groß ist. Auch ein selbstgebautes Sandbad aus großen Steinen, Dübel etc. ist möglich.
Futter Gutes Futter kostet 3-4 €, z.B. ZooDi von Rodipet. Futter am besten vor dem Benutzen 2 Tage lang einfrieren, damit eventuell entuell enthaltene Kornkäfer o.ä. nicht das Futter besiedeln. Für diabetesgefährdete Arten (Campbells, Hybriden, Chinesen, Dsungaren) ist darauf zu achten, dass keine zuckerhaltigen Bestandteile enthalten sind (Johannisbrot, getrocknetes Obst und Gemüse, Mais usw.), ansonsten sollten diese aussortiert werden. Gutes Futter, wo nichts aussortiert werden muss, gibt es bei Mixing your Petfood. Zucker an sich (oder Melasse / Honig) sollte sich bei keiner Hamsterart im Hauptfutter oder in den Leckerlies enthalten sein.

Kräuter Diese können dem Futter beigemischt werden oder seperat angeboten werden. Zwar sind in den meisten Futtersorten Kräuter enthalten, doch ich biete meinen Tieren gerne zusätzlich welche an. Sie können fertig als Kräutermischung gekauft werden, man kann aber auch Blätter von Obstbäumen und Beerensträuchern trocknen und sich somit selber Kräuter herstellen. (Diese können natürlich auch frisch verfüttert werden). Auch getrocknete Blüten werden meist interessiert vom Hamster beschnüffelt und teilweise gefressen.

Wenn Kräuter und Blüten im Gehege verteilt oder zu kleinen Häufchen aufgetürmt werden, schaut dies auch noch schön aus.
Heu Heu kann z.B. günstig bei www.heuandi.de bestellt werden oder in kleinen Säcken gekauft werden. Am besten auch dies vorher einige Tage einfrieren, um eventuell vorhandene Parasiten abzutöten. Hamster verstecken sich gerne in großen Heuansammlungen und Heu bringt Natur ins Hamstergehege.

Haus Ein gutes Haus aus nichtharzendem Holz (also hellem Holz) und mit abnehmbarem Dach und am besten mehreren Kammern gibt es für 10-30 €. Natürlich kann man auch selber aus Sperrholz und lösemittelfreiem Holzleim (z.B. von Uhu oder Ponal)  ein Haus bauen. Der Hamster verbringt den Großteil des Tages in seinem Haus, deshalb sollte es groß genug sein. Hier kann man außerdem prima eine Toilette reinstellen und wahrscheinlich wird der Hamster im Haus eine Vorratskammer anlegen.
Verstecke Zusätzlich zum Haus sollte man dem Hamster mindestens ein weiteres Versteck (besser natürlich mehrere) anbieten. Zum Beispiel Weidentunnel, Korkröhren, Keramikverstecke, Unterschlüpfe aus Toilettenpapier (einfach damit eine Schüssel auskleiden, nass machen und trocknen lassen) oder Grasnester usw.
Napf Ein kleiner Keramiknapf kostet 2-3 €. Man kann ihn als Fress- oder Trinknapf verwenden. Günstiger als Näpfe im Zoofachhandel sind Teelichthalter oder kleine Dipschalen aus Glas oder Keramik, z.B. kostet ein 12er Pack Teelichthalter "Glimma" bei IKEA nur 1,99.
Trinkflasche Eine Trinkflasche kostet 2-4 €, doch man muss noch eine Halterung basteln oder kaufen, wenn man keinen Gitterkäfig hat. Es gibt auch Trinkflaschen mit Saugnapf (der aber nicht mehr wirkt, wenn er angeknabbert wird). Ich rate von Trinkflaschen ab, da sie nicht dem natürlichen Trinkverhalten entsprechen - ein mit Wasser gefüllter Napf kommt dem viel näher.

Hamstertoilette Die meisten Hamster lernen, auf die Hamstertoilette zu gehen (mehr dazu unter "Reinigung"). Die mit Sand gefüllt Keramiktoillette (es gehen natürlich auch Glasschalen etc.) wird am besten direkt neben den Schlafplatz gestellt, darum sind Mehrkammernhäuser auch äußerst praktisch.

Ernährung

Hamster, Puschelhilfe, Nagerschutz, Fressen, Lemon, Heuschrecke

Gutes Futter enhält auf keinen Fall Honig, Zucker oder Melasse, das ist absolut tabu, auch bei allen Leckerlies und was der Hamster sonst noch frisst.
Außerdem enthält es keine Pellets - diese dunklen Stangen - in denen Eiweiß enthalten ist, welche aber von den meisten Hamstern nicht gefressen werden (Tiere fressen Pellets eigentlich nur dann, wenn sie sonst überhaupt nichts anderes bekommen).
Stattdessen sollte es getrocknete Heuschrecken, Mehlwürmer o.ä. enthalten. Wenn dies nicht der Fall ist, muss man eben mehr zusätzliches Eiweiß füttern.
Zudem sollten keine / nicht viele Nüsse oder Sonnenblumenkerne usw. im Hauptfutter sein, da dies absolute Dickmacher sind.

Als Leckerlie eignen sich Erdnuss, Haselnuss und Co. jedoch sehr gut.

Hochwertiges Futter (und übrigens auch Zubehör) gibt es bei www.rodipet.de (am Besten ist dort mMn das ZooDi Futter), bei www.zoorizont.de oder auch empfehlenswert das FP Unique von futterparadies.de sowie Futter von Mixing your Petfood (hier kann man fertige Futtersorten kaufen oder selber mischen).

Wer Futter nicht im Internet bestellen möchte, kann im Zooladen Futter von den Marken Bunny oder JR Farm kaufen, allerdings ist die Qualität nicht ganz so gut wie in den Onlineshops.

Wenn man den Hamster an ein neues Futter gewöhnen möchte, sollte man langsam vorgehen. Am besten fragt man die Pflegestelle, den Züchter, die Privatperson oder wo auch immer man den Hamster her hat, welches Futter bisher gefüttert wurde und ob man ein wenig davon haben kann. Dann sollte man das alte und das neue Futter jeden Tag mischen - in der ersten Woche ca. 25 % neues und ca. 75 % altes Futter geben, in der zweiten Woche von jedem gleich viel, in der dritten Woche mehr von dem neuen und ab der vierten Woche nur noch das neue Futter.

Neben Hauptfutter sollte regelmäßig zusätzliches Eiweiß angeboten werden, ausgewachsene Hamster sollten es ca. 2 mal die Woche bekommen, Jungtiere, Schwangere und Stillende öfter (am besten jeden Tag), zB. Mehlwürmer, Gammerus, Heuschrecken, Seidenpuppenraupen, Eiweiß vom gekochten Ei - nicht das Dotter. Wenn nichts anderes gefressen wird oder zur Abwechslung gehen auch Hundeleckerlies oder fettarmer Quark / Joghurt.

Auch nicht fehlen darf regelmäßiges Frischfutter, am besten täglich.

Dabei ist darauf zu achten, dass eine für den Hamster unbekannte Sorte anfangs in kleinen Mengen gereicht wird - Hamstermägen sind sehr empfindlich.

Obst enthält viel Zucker und sollte nicht oft und dann nur sehr wenig gefüttert werden.

Achtung bei Hybriden, Dsungaren, Chinesen und Campbells: Diese Hamster sind diebetesgefährdet und sollten deshalb nur Gemüse mit wenig Zuckeranteil wie Brokkoli, Zucchini, Löwenzahn, Salat oder Gurke bekommen. Obst, Mais und Karotten (beides sehr zuckerhaltig) sind für diese Arten komplett tabu. Ihr Hauptfutter (und natürlich auch die Leckerlies) sollte ebenfalls keine zuckerhaltigen Bestandteile enthalten, also entweder sortiert man Johannisbrot, getrocknetes Obst und Gemüse, Mais usw aus, oder man füttert eine Sorte, die solche Bestandteile von vorne herein nicht enthält, z.B. von Mixing your Petfood

Natürlich kann man für alle Hamster das Futter auch selbst mischen, jedoch sollte man sich dazu genau informieren, welche Bestandteile zu welchen Anteilen gemischt werden sollen.

Was überhaupt verfüttert werden darf (Frischfutter, Trockenfutter, Eiweiß usw.) findet man zB in der Futterliste von Diebrain. 

Ich empfehle außerdem, den Hamstern zusätzlich Kräuter und Blüten anzubieten.

Auslauf

Die meisten Hamster benötigtigen regelmäßigen Auslauf, die einen mehr, die anderen weniger. Der Hamster sollte erst in den Auslauf gesetzt werden, wenn er schon einige Zeit wach ist. Einige wenige Hamster brauchen gar keinen Auslauf, weil sie sich darin nicht wohl fühlen (offene Fläche machen ihnen Angst oder einfangen für das Reinsetzen bedeutet für Stress, da sie nicht zahm sind etc.), meist ist das bei Roborowski Zwerghamstern so. Viele Hamster freuen sich aber sehr über Auslauf und besonders Goldhamsterdamen verlangen oft sehr eindringlich danach (aber auch bei Männchen und bei beiden Geschlechter von Zwergen kann dies der Fall sein), diese sollten täglich mindestens eine Stunde Auslauf bekommen. Generell sollten Hamster, denen der Auslauf Spaß bereitet, regelmäßig welchen bekommen.

Hamster, die nicht auf die Hand genommen werden möchten, können am besten per Hamstertaxi in den Auslauf gesetzt werden. Dazu hält man einfach eine kleinere Pappschachtel o.ä. vor den Hamster (eventuell mit Leckerchen darin) und er wird hineinsteigen. Hat der Hamster Angst davor, kann man die Schachtel eine Nacht im Gehege liegen lassen, damit er sich daran gewöhnt.

Gerade bei Gehegen die am Boden stehen ist es möglich, Verbindungen vom Gehege zum Auslauf zu bauen, sodass der Hamster selber entscheiden kann, wann er in den Auslauf geht und wann nicht. 

 

Für den Auslauf macht man entweder ein ganzes Zimmer hamstersicher (sodass keine Kabel angenagt werden können und der Hamster nicht in irgendwelche Spalten kann) oder man kauft Sperrholz oder Plexiglas (mindestens 40 cm hoch, für Goldhamster besser 50 cm), das man mit Klett, Kabelbindern etc. verbindet und so einen Teil des Zimmers abgrenzt. Wer Auslauf im Badezimmer anbietet, sollte immer darauf achten, dass die kalten Fliesen mit Pappe, Hanfmatten o.ä. (Teppiche und Handtücher nur, wenn nicht daran geknabbert wird) abgedeckt werden, damit sich der Hamster nicht erkältet oder sich eine Blasenentzündung einfängt.

Dann braucht der Auslauf natürlich noch Einrichtung in Form von Buddelkisten (gefüllt mit Streu, Kleintiertorf, Maisspindelgranulat etc.), Röhren, Labyrinthen, Versteckmöglichkeiten, Laufrädern, Lauftellern, Klettermöglichkeiten und und und!

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt :-) (Solange es keine Gefahren für die Hamster birgt versteht sich)

Auch aus Pappe lässt sich viel für Auslauf basteln.

 

Absolut tierschutzwidrig sind sogenannte Hamsterbälle / Joggingbälle! Egal für welche Tierart. 

Aktion gegen Joggingbälle

Hamster, Puschelhilfe, Nagerschutz, Auslauf
ein Beispiel für einen Auslauf

Reinigung

Hamster sind sehr saubere Tiere und können an die Toilette gewöhnt werden. Dazu einfach eine kleine Schale aus Glas oder Keramik (in die der Hamster gut rein passt) oder eine spezielle Hamstertoilette (nicht aus Plastik bei nagewütigen Hamstern) mit Chinchillasand füllen und dem Hamster anbieten (am besten ganz in der Nähe vom Nest). Meist versteht er von selber, was er damit soll, und wenn nicht, dann kann man die Toilette an die vorhandene Pipiecke stellen oder bepinkeltes Streu in die Toilette geben.

Diese wird dann regelmäßig (zB alle zwei Tage) gesäubert und mit neuem Sand befüllt.

Den Badesand im Sandbad kann man bei Bedarf durchsieben, ansonsten sollte nur offensichtlicher Dreck entfernt werden. Ab und zu kann man einen Teil der Streu auswechseln, aber nie mehr als eine 1/3 Teilreinigung und dies auch möglichst nicht zu oft.

Vollreinigungen, zu viel Streuwechsel, ständig andere Einrichtung oder Putzmittel verwirren den Hamster und bedeuten Stress für ihn! Nach einer Krankheit oder bei Milbenbefall kann und sollte das Gehege natürlich komplett gesäubert und desinfiziert werden, aber das ist eine Ausnahme.

Der Hamster möchte ein Gehege haben, das Struktur hat und am besten - bis auf kleine, langsame Änderungen - sein Leben lang so bleibt. Veränderungen können im Auslauf vorgenommen werden - aber möglichst nicht im Gehege!

Ungeeignetes Zubehör

Leider bieten Zoohandlungen und Onlineshops ungeeignetes oder sogar tierschutzwidriges Zubehör an:

  • Plastik kann splittern und sollte daher nicht in Gehege von Tieren sein, die es anknabbern. Alternative: Das Wodent Wheel Laufrad besteht aus nicht splitternden Hartplastik, außerdem gibt es Laufräder aus Holz.
  • Bunte Röhrensysteme stauen Feuchtigkeit und Hitze und sind somit ideale Bakterienbrutsätten. Hamster, die solche Röhren in ihren Gehegen hatten, sind oft sehr gestört, da die meisten irgendwann einmal darin stecken bleiben - ein Horror für die Fluchttiere.
  • Hamsterbälle / Joggingbälle verursachen puren Stress bei den Tieren: Sie verfallen in Panik, laufen davon und verfallen noch mehr in Panik. Oft laufen sie darin auch gegen Wände oder Treppen herunter, was ernsthafte Schäden hinterlässt.
  • Auch Hamsterwatte ist sehr gefährlich: Sie staut Hitze und besteht zudem aus Fasern, an denen Körperteile abgetrennt werden können und absterben. Es haben sich bereits Hamster in Hamsterwatte stranguliert und sind darin gestorben! Eine gute, kostengünstige Alternative ist zerissenes Toilettenpapier. Dieses sollte unbedruckt, unparfümiert und am besten chlorfrei gebleicht sein - das ist genauso gemütlich, hat jeder Zuhause und birgt keinerlei Gefahren.

Zucht?

Hamsterbabys sind einfach zu süß und darum haben viele Halter die Idee, "einfach einmal Babys zu bekommen".

Allerdings ist Hamsterzucht nicht einfach "Weibchen und Männchen zusammensetzen und den Kleinen zugucken", sondern ein sehr kompliziertes Feld. Man muss sich gut mit der Hamstergenetik auskennen, es kann Jahre dauern, bis man das nötige Know-How hat.

Denn wenn man zB. die falschen Farben kreuzt können blinde, taube, augenlose, kiefernlose, zahnlose oder anders behinderte oder kranke Tiere geboren werden! Bei einer Verpaarung zweier dominant spot Hamster beispielsweise stirbt ein Teil der Babys bereits im Mutterleib, davon kann auch die Mutter sterben. Um verantwortungsvoll zu züchten, muss man auch den Stammbaum der Elterntiere kennen, also Charakter, Farbe usw. der Eltern und deren Eltern.

Und wenn die Süßen erstmal 4 Wochen alt sind müssen sie nach Geschlechtern getrennt werden, da sie sonst selber Nachwuchs bekommen. Schon bald braucht jeder sein eigenes Heim - also braucht man bis zu 15 (oder machmal sogar noch mehr) Abnehmer oder selber so viele Gehege, wenn man nicht genug Leute findet, die einen Hamster nehmen wollen.

Also bitte nicht "züchten"!

Es gibt genug Notfalltiere, die auf ein Zuhause warten.

Nachwuchs

Wenn es zu Nachwuchs kommt (zB weil man einen schwangeren Hamster in der Zoohandlung bekommen hat, dies kommt recht häufig vor), sollte man dem Weibchen und seinen Babys unbedingt Ruhe gönnen. Wird die Mutter gestört, könnte sie vor Stress ihre Babys fressen. Deshalb darf man auch auf keinen Fall ins Nest schauen!

Auch in der Schwangerschaft (wenige Tage vor der Geburt wird ein tragender Hamster birnenförmig) ist Ruhe wichtig. Die Tragzeit eines Goldhamsters beträgt 19-22 Tage, bei einem Zwerghamster je nach Art zwischen 17 und 23 Tagen.

Sowohl in der Schwangerschaft als auch nach der Geburt sind (neben der Ruhe) viel Nistmaterial, viel Eiweiß und viel Trockenfutter wichtig. Deshalb sollte viel zerrissenes Toilettenpapier (ohne Aufdruck und ohne Parfüm) angeboten werden, daraus baut das Weibchen ein kuscheliges Nest. Allerdings verbaut sie alles, egal, wieviel man ihr gibt - übertreiben sollte man es also auch nicht.

Eiweiß sollte nicht in lebendiger Form gegeben werden, da es schon vorgekommen ist, dass die Mutter ihre Babys und den sich windenden Mehlwurm nicht mehr unterscheiden konnte und so ihre Babys gefressen hat... In getrockneter Form hingegen sind Mehlwürmer, Heuschrecken, Seidenpuppenraupen, Gammarus usw. prima. Weitere Eiweißquellen können sein: Das Weiße vom gekocnten Ei oder, wenn sie gar nichts anderes frisst, Hunde- oder Katzenleckerlies mit hohem Fleischanteil (darauf achten, dass kein Taurin enthalten ist!).

Das Eiweiß wird benötigt, damit sich die Babys gut im Bauch entwickeln und damit die Mutter genügend Milch produziert. Schon mit wenigen Tagen fangen die Babys an zu fressen, sie nehmen also auch das Eiweißfutter auf und es hilft ihnen beim Wachstum. Eiweiß sollte jeden Tag in größerer Portion angeboten werden, zB 1 Esslöffel Mehlwürmer.

Viel Trockenfutter sollte gegeben werden, damit das Weibchen genügend Kräfte für die Aufzucht hat; außerdem beruhigt es sie, wenn sie einen großen Futtervorrat hat. Es sollte also, sobald die Schwangerschaft oder der Wurf bemerkt ist, ein sehr großer Trockenfutterhaufen ins Gehege gelegt werden (ruhig mehrere Hände voll und auch weiterhin jeden Tag große Mengen anbieten). Bei einem Goldhamster sollte neben dem Goldhamsterfutter auch Zwerghamsterfutter angeboten werden, denn die kleineren Bestandteile darin können leichter von den Babys gefressen werden.

Anfangs sollte nur so viel Frischfutter angeboten werden, wie die Mutter auch auf jeden Fall auffrisst - denn wenn etwas über bleibt und sie es ins Nest schleppt, kann man es ja nicht herausholen und es könnte anfangen zu schimmeln.

Sobald die Babys aus dem Nest gekrochen kommen (meist am 12. Tag, es kann aber auch länger dauern) kann man ihnen vor den Nesteingang eine Schale mit Ministückchen Frischfutter hinstellen, allerdings auch nur wenig. Wenn die Babys größer sind, wird die Menge von Frischfutter und Trockenfutter gesteigert - schon bald fressen sie einem förmlich die Haare vom Kopf ;-)

Ich biete allen Babys immer verschiedene Breie an, sobald sie herauskommen (permanent steht immer eine Breischale zur Verfügung) und habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Am besten eignen sich für den Anfang Unterteller von Kaffetassen. Geeignet sind viele Breisorten für Babys, solange keine Zwiebeln und kein Salz enthalten ist; zum Beispiel Frühkarotte, Hühnchen, Rind, Gemüseallerlei usw. Magerquark kann pur oder mit etwas gemischt (zB mit Banane oder aufgequollenen Rollis) gegeben werden; auch Schmelzflockenbrei wird gerne angenommen. Jeder Brei kann dann auch noch zB mit Haferflocken oder zerkleinerten Nüssen vermischt werden. Vorsicht bei den diabetesgefährdeteten Arten, da muss man natürlich darauf achten, dass im Brei nichts enthalten ist, was viel Zucker enthält (zB Karotten).

Ich empfehle es, um den Nesteingang eine Abgrenzung (zB mit einer biegbaren Weidenleiter) zu ziehen, damit die Babys nicht gleich durch das ganze Gehege laufen, immerhin haben sie bei ihren ersten Ausflügen noch die Augen geschlossen und sollten sich besser nicht zu weit entfernen. Wenn sie die Augen öffnen, kann man dann den "Kindergartenzaun" entfernen - manchmal klettern sie sogar vorher darüber, auch dann kann er weg.

Es gibt weitere Vorbereitungen, die am Gehege getroffen werden müssen: Wenn der Hamster in einem Gitterkäfig geworfen hat, muss man eine Umrandung bauen (aus Pappe, Holz etc), damit die Babys bei ihren Ausflügen nicht durch die Gitterstäbe fallen. Das Laufrad sollte noch vor der Geburt entfernt werden - es gab schon Hamster, die beim Laufradlaufen ihre Babys zur Welt gebracht haben, außerdem vernachlässigen manche Hamster ihre Babys, wenn sie ein Laufrad zur Verfügung haben.

Wenn der Wurf dann da ist und solange er im Nest ist, kann jeden Tag zB eine Stunde am Abend das Laufrad angeboten werden, darin kann sich die Hamstermutter dann vom Aufzuchtstress erholen. Sobald die Babys heraus krabbeln, darf kein Laufrad mehr hineingestellt werden, sonst wird es gefährlich für die Kleinen! Wenn sie groß genug für den Auslauf sind (ca. mit 3 Wochen), können sie dann darin Laufräder und Laufteller kennen lernen.

Der Trinknapf der Mutter sollte auf das Hausdach, auf eine Ebene etc. gestellt werden, damit die Kleinen auf keinen Fall hineinfallen können.

Am 28. Tag / mit 4 Wochen sollten sie nach Geschlechtern getrennt werden, das heißt dass die Männchen zusammen in ein extra Gehege gesetzt werden (ein günstiges Gehege ist zB die größte Samla Box von Ikea). Wenn die Mutter nicht gestresst wirkt, können die Mädels erstmal bei ihr bleiben. Ich würde die Hamster auf jeden Fall 2 Wochen in den Geschlechtergruppen lassen und erst danach, also mit 6 Wochen, vermitteln. Wie lange es in der Gruppe gut geht, ist unterschiedlich. Meist kann man sie 8-12 Wochen in den Gruppen lassen. Wichtig sind genügend Ausweichgehege, denn sobald sie in dieser Zeit anfangen, ernsthaft zu streiten, müssen sie einzeln gesetzt werden! Die Babys sollten unbedingt nur mit Schutzgebühr und Schutzvertrag, in dem die Haltungsbedingungen festgelegt werden (gerne kannst du dich an meine Bedingungen orientieren), ausziehen.

Campbellzwerghamster und Roborowskizwerghamster können auch bei Notfallwürfen durchaus sehr sozial sein und sich ein Leben lang verstehen. Ich persönlich würde diese Tiere nicht direkt in Einzelhaltung abgeben, sondern lieber länger beobachten, ob nicht vielleicht eine lebenslange Gruppenhaltung möglich ist.

Der neue Besitzer eines Paars / einer Gruppe sollte bereits Hamstererfahrung haben und weitere Gehege besitzen, falls doch getrennt werden muss.